Der zweite Start von Surf&Rail
22. Oktober 2003

Die Einführung des Neuen Preissystems der Bahn im Dezember 2002 bedeutete gleichzeitig das Ende des ersten Surf&Rail Angebotes der Bahn. Nun erhob es sich Anfang Oktober wie Phönix aus der Asche zu neuen Internet-Höhen.

Neben spontanen Aktionen bietet Surf&Rail wöchentlich wechselnde Relationen zum Preis von 50 Euro für Hin-und Rückfahrt und noch manches mehr. Die positive Überraschung ist jedoch, dass nun die DB-Verkaufsagenturen ihre Homepage mit diesen Online-Angeboten verlinken können. Das ganze geschieht im Rahmen eines Partnerprogrammes und bringt dem werbenden Reisebüro eine Clickprovision von 2 Prozent.

Der RBB hatte ein solches Partnerprogramm in der Vergangenheit mehrmals von der Bahn gefordert. Doch nach einer besonders harschen Absage anlässlich der Sitzung am 22.10.1999 in Freiburg wurde das Thema auf Sparflamme gesetzt. Dass sich die betroffenen Kollegen nun über die späte Bestätigung ihrer einstigen Einschätzung freuen, ist menschlich.

Menschlich ist auch, dass etliche Reisebüros durch das neue Online-Angebot der Bahn verunsichert sind. Sie wissen nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. Sie vermissen Entscheidungshilfen. Zuständig wäre der neue DRV-Bahnausschuss, doch dieser schweigt.

Der Kollege Braner
Weniger unentschlossen ist da der Kollege Braner vom City-Reisebüro. Er steht mit seiner Entscheidung ja auch nicht alleine da. In den ersten drei Wochen haben bereits 90 DB-Verkaufsagenturen ihre Homepage mit dem DB-Link ausgestattet und es werden täglich mehr.

Braner brauchte auch nicht lange zu rechnen. Sicher sind zwei Prozent nicht viel, doch er hat noch gut die alten Klagen im Ohr, dass der Fahrkartenverkauf nicht kostendeckend sei. Dann müsste das doch hier bei fast Null Aufwand zu einem ganz anderen Ergebnis kommen.

Ein wenig überrascht war Braner dann aber doch als er feststellen musste, dass seine Kunden über den Bahn-Link nicht nur die "Schnäppchen" buchen konnten, sondern auf diesem Weg auch Zugriff auf alle anderen Bahnangebote hatten. Doch nach kurzer Überlegung war auch das für ihn kein Problem mehr. Was ertragsmäßig für "Schnäppchen" gilt, muss auch für alles andere zutreffen. Jetzt wartet Braner nur noch auf die Zusage der Bahn, dass in diesem Fall ebenfalls das Partnerprogramm greift.

Das hörte sich eigentlich alles ganz plausibel an. Doch eines interessierte mich noch. Ich fragte den Kollegen Braner, ob er keine Bedenken habe, dass seine Online-Kunden mit der Zeit verstärkt direkt die Homepage der Bahn anwählen würden. "Natürlich wird das geschehen, schon heute geht der Reisende einmal zu mir, dann an den Automaten und dann vielleicht an den Fahrkartenschalter. Hier kommt es darauf an" und er lächelte dabei etwas verschmitzt, "sich etwas einfallen zu lassen, um die Kunden an die eigene Homepage zu gewöhnen. Und gerade dazu bietet Surf&Rail gute Chancen."

Zahlen
In den ersten zwei Wochen wurden 10 000 Surf&Rail Fahrkarten verkauft.
Die meisten Fahrkarten werden am ersten Abend der Freischaltung gekauft.
Knapp eien Million Kunden haben sich bereits bei der Bahn registrieren lassen.
R. Pohl von der Bahn rechnet 2003 mit einem Wachstum von 70 Prozent.
Bahn.de bringt rund 6 Prozent der Ticketumsätze im Fernverkehr.

14. Juli 2004
Auf dem Bahntag in Kassel nannte die Bahn neue Zahlen zum Partnerprogramm Surf&Rail und SommerSpezial.
Über die 78 angeschlossenen Homepages wurden 6 S&R Fahrscheine und 12 SommerSpezial verkauft. Letztere sogar nur über eine einzige Website.
Im April neu gestartet ist das Partnerprogramm BahnCard. Dazu haben sich bis jetzt 42 Agenturen angemeldet. Verkauft haben sie noch nichts.
Dieses Ergebnis zeigt mehr als deutlich, der DB-Online-Zug ist für die Agenturen abgefahren. Die Bahn hat es in den vergangenen Jahren geschickt verstanden, ihre Agenturen hinzuhalten und hat ihnen nur spät und nur für wenige Angeboten eine Verknüpfung erlaubt. Inzwischen wissen Bahnreisende wo sie ihre Tickets im Internet kaufen können. Für die Reisebüros hat sich der Markt verlaufen. Übrigens das selbe Spiel, wie vor Jahren mit den Zeitkarten-Abonnements.

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